8.17 Psychologie und Philosophie
So wie Eltern immer versucht haben, ihre Kinder in Sicherheit zu wiegen,
sie wohlbehütet aufwachsen zu lassen, ihnen die raue Wirklichkeit schonendüber einfache „Gut und Böse“ Geschichten (Märchen und dergleichen) näher zubringen ( -wie sinnvoll wäre es, ihnen im zarten Alter schon zu verraten, wir fliegen alle auf einem Erdball durch das Universum?), so versuchen Psychologie- und vor allem Philosophielehrer in den schon etwas reiferen Geistern der Oberstufenschüler alle eigentlich mühevoll aufgebauten Selbstverständlichkeiten wieder in Frage zu stellen.
Sicherheit gibt es nämlich auf keinem Gebiet unserer Wirklichkeit. Nur die in sich geschlossenen Systeme der Einzelwissenschaften (Mathematik, Physik …), die sich längst von ihrer philosophischen Aufbereitung losgelöst haben und selbständig geworden sind, vermögen auf kleinem Felde - immer auch zeitlich eingeschränkt – mit ihren eigenen Regeln ein gewisses Fundament anzubieten. Sobald sie jedoch über ihren Horizont hinausschauen oder gar sich wieder einmal auf ihre Wurzeln besinnen, haben sie schon keinen Boden mehr, kein Fundament, keine Basis, denn die Philosophie war nie eine solide Grundlage, auf welcher man Sicherheiten hätte aufbauen können, ja manchmal erscheint sie uns wie ein wackeliger Wattebausch, der uns nie offenbaren wird können, woher wir kommen, wohin wir gehen, welchen Sinn das Ganze hat oder gar wo ein möglicher Gott „huckt“. Philosophie ist weder gläubig noch ungläubig, sie steht darüber, schließt alles in sich ein, hat sie doch auch im Laufe ihrer Entwicklung erst Religion entstehen lassen.
Nach allen Richtungen offen kann sie wunderschöne, teilweise auch für Normalsterbliche durchaus nachvollziehbare Denksysteme anbieten – „Lebensphilosophien“, wie man so schön sagt, die man übernehmen kann oder als Anregung für eigene, neue Gedankengebäude heranziehen kann. In jedem Falle wird aber die Welt, in der wir uns schon eingefunden haben, bevor wir es merken konnten, ein lebenslängliches Wunder bleiben möge man nicht zu spät im Leben draufkommen, wo sein eigentlicher Wert zu finden ist.
Ich will hier nicht unbedingt das Wort „Sinn“ verwenden, denn auch Sinnloses kann
Unbeschreiblich schön sein, kann in der Endlichkeit Unendlichkeit erahnen lassen.
So könnte man doch glatt behaupten, der Philosoph ist eben nicht der Träumer, für den man ihn immer hält, er beschäftigt sich viel mehr mit der Welt, als die Wirklichkeitshörigen, die wir ja alle sind …
Text: Mag. Thomas Pichler