Schulgeschichte

Unsere Schule entstand 1912 auf Anregung von Marianne Hainisch, einer der Begründerinnen der Österreichischen Frauenbewegung. Sie forderte seit 1870 die Gründung von Mädchenrealgymnasien, um den Frauen den Zutritt zu allen Berufen zu ermöglichen.
Am 4. Dezember 1912 fand die konstituierende Generalversammlung des Vereines für realgymnasialen Mädchenunterricht statt. Die ersten Klassen des Mädchenrealgymnasiums wurden in Privatwohnungen unterrichtet.
1914 wurde das neu erbaute Schulgebäude in Wien 8, Albertgasse 38 bezogen. Es war ein für damalige Verhältnisse äußerst modern eingerichtetes Haus mit hellen Klassenzimmern und Sonderräumen, wie Physik- und Turnsaal.

graphic

„Moderner Physiksaal“ 1913

1918 traten 26 Mädchen bei der ersten Matura in der Albertgasse 38 an. Wegen des Zustroms an Schülerinnen wurden damals drei Wohnungen des Nachbarhauses – Florianigasse 54 – in die Schule integriert.
Im Herbst 1920 wurde zwar ein Teil der Schule staatlich, aber gleichzeitig wollten maßgebliche Stellen die Mädchenmittelschulen auflösen! Es gelang, die Schule zu erhalten. Unsere schon damals pädagogisch fortschrittliche Schule, beteiligte sich im Rahmen der Mittelschulreform am Schulversuch „Deutsche Mittelschule“. Es gab bereits eine Schulgemeinde, einen schulärztlichen Dienst, Schikurse und Schwimmunterricht, und im Unterricht wurde der Schulfunk eingesetzt.
1934 wurde neben dem Realgymnasium das Oberlyzeum eingeführt, welches im Gegensatz zu anderen Schultypen, bereits ab der 1. Klasse eine lebende Fremdsprache statt Latein in der Stundentafel hatte. Etwa die Hälfte der Maturantinnen entschied sich damals für ein Hochschulstudium, viele von ihnen im naturwissenschaftlichen Bereich.
1938 mussten 66% der Schülerinnen wegen rassischer und politischer Verfolgung durch das NS- Regime die Schule verlassen. Einige Mädchen emigrierten, viele sind im Holocaust umgekommen. Auch eine beträchtliche Anzahl von LehrerInnen wurde wegen ihres mosaischen Bekenntnisses entlassen. Während des zweiten Weltkrieges besuchten viele Schülerinnen aus den, von den Nationalsozialisten aufgelösten, katholischen Privatschulen, die Schule. Der Unterricht wurde während des ganzen Krieges aufrechterhalten.
1945 bewältigte Frau HR Dr. Edith Büge die schwierige Aufgabe mit einem neu zusammengestellten Lehrkörper die Schule, die nun „Bundesrealgymnasium für Mädchen“ hieß, wieder aufzubauen.
1969 übernahm Frau HR Mag. Dr. Hilde Derbel eine Schule mit nur 8 Klassen und 167 Schülerinnen. Unter ihrer Leitung folgten Jahre pädagogischer Neuerungen und eines erneuten Anwachsens der Schülerinnenzahlen. Im Schuljahr 1973/74 besuchten bereits 500 Schülerinnen unsere Schule und es gab zwei Dependancen (Langegasse 47, Albertgasse 43).
Ab 1973 wurde unsere Schule, ihrer pädagogischen Vorreiterrolle entsprechend, eine der ersten Schulen für den Oberstufenversuch Modell III, einem Schulversuch aus dem die Wahlpflichtfächer in das Regelschulwesen übernommen wurden.
1976 kamen die ersten Buben in die Albertgasse 38, sie wurde jetzt koedukativ geführt. Aus dem 1. MRg VIII wurde das GRg8/A38.
1994 wurde unter der Direktion von Frau HR. Dr. Regina Bretterbauer (1984-2000) aus der Albertgasse 38 die „Feldgasse“. Eine neue Adresse, ein neuer Name, es blieb der 90 Jahre junge Anspruch, qualitativ hochwertigen Unterricht mit zeitgemäßer Methodik und Didaktik in einem modern ausgestatteten Schulhaus zu bieten. Stets eine pädagogische Nasenlänge voraus, wurden in der Feldgasse neue Lehr- und Lernformen entwickelt, erprobt und etabliert.
Seit 2000 wird die Schule von Mag. Marliese Pick geleitet. Mit einer ständigen Weiterentwicklung zukunftsweisender Schwerpunkte, die den selbstständigen Wissenserwerb und Kreativität unter Benutzung neuer Technologien fördern, machen wir uns auf den Weg in die nächsten 90 Jahre.